Ein guter Leitfaden zum Thema Kommunikationstraining, vier Werkzeuge der Hamburger Kommunikationspsychologie, Ablauf und Wirkung in der Praxis.
Wer wirklich gehört werden will, muss erst zuhören können. Das klingt einfach, ist es aber selten. Denn unsere Worte tragen weit mehr als bloße Information, sie transportieren auch, wer wir sind, was wir brauchen, wie wir die andere Person sehen.
Genau hier setzt ein gutes Kommunikationstraining an. Es macht sichtbar, was zwischen den Zeilen mitschwingt. Und es gibt Werkzeuge an die Hand, mit denen sich auch in heiklen Momenten Klarheit gewinnen lässt.
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ , Paul Watzlawick
Was Kommunikationstraining wirklich leistet
Ein Kommunikationstraining ist kein Rhetorikkurs. Es geht nicht primär darum, schöner zu reden, sondern darum, sich selbst und das Gegenüber genauer zu verstehen, und auf dieser Grundlage stimmiger zu handeln.
Wer ein Training durchläuft, lernt drei Dinge: die eigene Wirkung wahrzunehmen, die Botschaften des Gegenübers vollständiger zu hören und schwierige Gespräche so zu gestalten, dass die Beziehung dabei trägt.
Die Hamburger Kommunikationspsychologie um Friedemann Schulz von Thun hat dafür ein reiches Werkzeug entwickelt. Vier Modelle haben sich in der Praxis besonders bewährt.
Vier Werkzeuge aus der Hamburger Kommunikationspsychologie
1. Das Kommunikationsquadrat
Schulz von Thuns bekanntestes Modell zeigt, dass jede Botschaft auf vier Ebenen wirkt. Sie enthält einen Sachinhalt, eine Selbstkundgabe, einen Beziehungshinweis und einen Appell. Wer auf dem Beifahrersitz den Satz „Die Ampel ist grün.“ hört, hört oft viel mehr, etwa „Du fährst zu langsam“ (Appell) oder „Ich habe es eilig“ (Selbstkundgabe).
Im Training üben wir, mit welchem „Ohr“ wir gerade hören und welche Ebene wir selbst besonders bedienen. Das schärft das Gespür für Missverständnisse und macht den eigenen Stil bewusst.
2. Das Innere Team
Niemand spricht mit nur einer Stimme. In uns wirken viele Anteile, der innere Kritiker, die innere Mutige, der zaudernde Beobachter. Schulz von Thun nennt dieses Ensemble das „Innere Team“.
Im Training lernen Teilnehmende, ihren inneren Stimmen zuzuhören, bevor sie ein wichtiges Gespräch führen. So wird sichtbar, wer in einem gerade die Regie übernimmt, und ob das die Stimme ist, mit der man tatsächlich antworten möchte.
3. Das Riemann-Thomann-Modell
Manche Menschen brauchen Nähe, andere Distanz. Manche suchen Dauer, andere Wechsel. Das Modell von Christoph Thomann, in Anlehnung an Fritz Riemann, macht diese Grundausrichtungen sichtbar und erklärt, warum dieselbe Botschaft bei zwei Personen so unterschiedlich ankommen kann.
Wer das Modell verinnerlicht hat, formuliert Anliegen passgenauer. Eine Führungskraft, die ihrem distanzbedürftigen Mitarbeiter mit einer engen Vorgabe gegenübertritt, verliert den Kontakt und wundert sich.
4. Das Werte- und Entwicklungsquadrat
Hinter jedem Wert lauert eine Übertreibung. „Sparsamkeit“ kippt in „Geiz“, „Großzügigkeit“ in „Verschwendung“. Das Werte- und Entwicklungsquadrat zeigt, dass Werte einen Gegenpol brauchen, sonst werden sie zur Karikatur ihrer selbst.
Im Training arbeiten wir damit oft an Werten, die im Alltag in Spannung geraten, Verlässlichkeit gegen Flexibilität, Klarheit gegen Wärme. Statt einen Wert auszuspielen, geht es darum, beide in Balance zu halten.
Wann ein Kommunikationstraining sinnvoll ist
- Vor einer neuen Führungsrolle, die mehr Gespräche und mehr Wirkung verlangt.
- In Phasen, in denen wiederkehrende Konflikte das Team belasten.
- Wenn Präsentationen, Pitches oder Interviews anstehen, in denen Klarheit zählt.
- Wenn das Gefühl da ist: „Ich werde nicht verstanden, aber ich weiß nicht, woran das liegt.“
- In Übergangsphasen, etwa beim Wechsel ins Ehrenamt, in die Selbstständigkeit oder in eine neue Branche.
Wie ein Training in der Praxis abläuft
Ein 1:1-Training beginnt mit einem Erstgespräch von etwa 60 Minuten, in dem das Anliegen geklärt wird. Daran schließen sich vier bis acht Sitzungen à 60 bis 90 Minuten an, in denen wir mit den Modellen direkt am Material arbeiten, an konkreten Gesprächen, schwierigen Mails, anstehenden Präsentationen.
Gruppentrainings für Teams sind kompakter angelegt: ein bis zwei Tage Workshop, in denen die vier Werkzeuge eingeführt und an realen Fällen geübt werden. Der Transfer in den Arbeitsalltag wird über kurze Follow-up-Termine verankert.
Wichtig ist mir dabei die doppelte Blickrichtung. Was ist im Inneren los, welche Bedürfnisse, welche Sehnsüchte wirken? Und wie gestaltet sich die Situation im Außen, mit welchen Personen, in welchem Kontext? Erst diese beiden Perspektiven zusammen ergeben ein vollständiges Bild.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich Kommunikationstraining von Rhetorik?
Rhetorik fragt: Wie überzeuge ich? Kommunikationstraining fragt: Wie verstehe ich, mich und das Gegenüber? Beides hat Wert, aber Kommunikationstraining trägt tiefer, weil es an der Beziehung ansetzt, nicht nur an der Form.
Wie viele Sitzungen brauche ich?
Vier bis acht Sitzungen sind ein guter Rahmen für ein klar umrissenes Anliegen. Wer einen längeren Veränderungsprozess begleitet, etwa eine neue Rolle, Team-Aufbau oder Konflikt-Klärung, kommt erfahrungsgemäß auf zehn bis zwölf.
Online oder in Präsenz in Köln?
Beides. Online-Coaching funktioniert sehr gut für die Modell-Arbeit und ist zeitlich flexibel. Präsenz ist hilfreich, wenn körperliche Wirkung, Auftritt und Stimme im Vordergrund stehen.
Was unterscheidet das Training von einer Therapie?
Coaching arbeitet an konkreten beruflichen oder kommunikativen Situationen, mit klaren Zielen und Werkzeugen. Therapie wendet sich an Leidenszustände mit Krankheitswert. Wer unsicher ist, klärt das im kostenfreien Erstgespräch.
Buchtipp
Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 1–3 (Rowohlt 1981–1998). Die drei Bände sind die Grundlagenlektüre für jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Kommunikation. Wer einsteigen möchte, beginnt mit Band 1.
Mehr zu meinem Angebot in Köln finden Sie auf der Seite Kommunikationscoaching in Köln, oder direkt über das Kontaktformular.
